5 Wochen: Über eine Zeit, die es noch nie gegeben hat! Über Angst, Stress und die Kinder

Ungefähr fünf Wochen ist es nun her, dass ich in einer Seminarpause das erste mal den Namen “Corona” hörte. Heute haben ich und mein Mann, beide freiberuflich arbeitend, fünf Wochen ohne Kinderbetreuung vor uns. “Fünf Wochen Ferien, Mama!” erklärt mir meine vierjährige Tochter freudestrahlend, während ich am Freitagabend die vollen Einkaufstaschen im Flur abstelle. Ein paar kitafreie Wochen im Hochsommer sind wir gewohnt und freuen uns oft schon monatelang darauf. Doch sind diese Ferien von langer Hand geplant. Schöne Tage im Garten, eine Reise ins Ausland, Zelten, Freunde treffen...Nun stellen uns die Gegebenheiten gleich auf mehreren Ebenen vor ganz andere Herausforderungen. Organisatorisch sind die Bedürfnisse zweier Berufstätigkeiten mit denen zweier Kinder im aufmerksamkeitssaugenden Alter zu vereinen. Und das unter erschwerten Bedingungen: sehr geringe Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, keine Verabredungen, Umplanung aller anstehenden Termine und das Internet auf dem Dorf, wenn alle Nachbarn auch von zuhause arbeiten…

Und der Alltag geht natürlich weiter. Eltern mit frisch geborenen Säuglingen, Schwangere und Alleinerziehende, erkrankte Eltern  meistern die Betreuung  unter weiteren Erschwernissen. Ein Geisterspiel im Fussballstadion  lässt mich gänzlich kalt, aber wie erkläre ich meiner Tochter, dass es sich bei ihrem Kindergeburtstag um einen “Geistergeburtstag” handeln könnte, und dies nichts mit Verkleidung zu tun hat?

 

Emotional bewegen wir uns irgendwo zwischen Vernunft, Sorge und Zuversicht. Ständig bemüht, die von außen ein prasselnden Informationen in einen sinnvollen, realistischen und logischen Zusammenhang zu bringen. Doch was ist, wenn aus Sorge Angst wird, wenn ein beklemmendes Grundgefühl zu einem dauerhaften Begleiter wird, der sich bemüht die Oberhand zu gewinnen?

 

So viel gemeinsame Zeit mit unserer Familie! Wie oft haben wir uns das an manchen Alltagen gewünscht? Doch hatten wir dabei wohl eher einen entspanntes verlängertes Wochenende im Sinn. Nun stellt uns die Empfehlung, das Haus nicht unnötig zu verlassen, vor innerfamiliäre Herausforderungen. Kleinkinder und Homeoffice? Paare erleben sich rund um die Uhr, Kindern fehlt es an Bewegung. 

 

Als systemische Psychologin und Stresspräventionstrainerin begegnen mir viele der nun geballten Aspekte in einzelner Form immer wieder. Vielleicht können erprobte Techniken auch jetzt helfen, um mit der Situation umzugehen. 

 

ANGST

Seit Wochen sind Desinfektionsmittel und Masken ausverkauft, und dass, obwohl von Experten immer wieder betont, gründliche Hygiene die beste Methode des Schutzes ist. Toilettenpapier fehlt in den Supermarktregalen, ohne dass es Hinweise für eine anstehende Mangelversorgung gibt. Die irrationaler werdenden Handlungen sind ein Hinweis für das Kippen allgemeiner Sorge in eine umfassende Angst. Finanzielle Ängste tragen nicht nur selbständige und Unternehmer mit sich herum. 

Oft sind es diffuse Ängste, die uns das Gefühl von Hilflosigkeit vermitteln. Wovor habe ich genau Angst? Welche Umstände verstärken dieses Gefühl? Unter welchen Umständen könnte meine Angst abnehmen? Setzen wir uns mit unseren Ängsten auseinander, erlangen wir wieder Handlungsfähigkeit.

Raubt die Angst den Schlaf oder die Möglichkeit sich zu entspannen, kann es sinnvoll sein, Beratung in Anspruch zu nehmen, um die Gestaltungsspielräume wieder etwas größer zu machen. Diese Beratung ist natürlich auch online möglich. 

 

STRESS

Na klar, mit Kind und Kegel und der Arbeit im Nacken ist es schwer nicht in Stress zu verfallen. Die Aufmerksamkeit teilen sich die Kinder mit dem Haushalt, den aktuellen Nachrichten und der Planung der nächsten Tage und Wochen. Doch: auch hier macht es Sinn genau hinzusehen. Was ist die Ursache meines Stresses? Ist es der das umherliegende Spielzeug, oder doch eher die ungeklärte Situation mit meinem Arbeitgeber? Welcher Stress kann durch Absprachen reduziert werden? Welche Dinge muss ich klären, um entspannter durch diese Zeit zu gehen?

 

UND DIE KINDER?

Für uns alle ist dies eine Situation, die wir noch nicht üben konnten. Dies gilt auch für den Nachwuchs. Die bekannten Alltagsabläufe als feste Stützen des Alltags aufrecht zu halten, kann halfen. Aufstehen, Mahlzeiten, Mittagsschlaf und Abendrituale sorgen für Pausenzeiten bei allen Beteiligten. 

Das Wetter scheint darüber hinaus uns allen die Hand zu reichen. Balkone, Gärten und weitläufige Parks laden zu Bewegung an der frischen Luft ein. Lange nicht mit Kreide gemalt, Gummitwist gesprungen oder Hörbuch gehört? Am besten wir fragen unsere Kinder, was sie schon lange mal mit uns machen wollten. Sie haben bestimmt gute Ideen!

 

DENN 

Es ist, wie es ist. Was wir aus dieser Zeit, die es so noch nicht gegeben hat, machen, liegt in unseren Händen. Auch wenn sich die Optionen täglich minimieren diese Zeit zu gestalten, was bleibt ist die Zeit. Mit unseren Kindern, unseren PartnerInnen und mit uns selbst!

Es kann eine Zeit werden, in der die Fragen “Wo stehe ich?”, “Was macht mich aus?” und “Wo will ich hin?” einen Raum bekommen! 

Ich wünsche allen Gesundheit, Kreativität und, wo es geht, eine Entscheidung für eine gute Zeit.

 

Lea Spitzenberg

 

Lust die nächsten vier Wochen bewusst und kreativ mit deiner Zeit umzugehen? Dann erhalte jeden Montag einen kleinen Leitfragen von mir. Meld dich gern per Mail, um dabei zu sein: lea@lea-spitzenberg.com